Beschaffungsleitfaden

UGR bei LED-Hallenstrahlern: Spezifikationsleitfaden für Lager

So spezifizieren Sie blendungsarme LED-Hallenstrahler, prüfen UGR-Berechnungen und vergleichen photometrische Angebote ohne irreführende UGR-Angaben.

Lichtplaner bewertet die Blendung von LED-Hallenstrahlern in einem Lagergang

„UGR <19“ steht auf vielen Datenblättern für Industrieleuchten. Häufig wird der Wert so behandelt, als sei er eine unveränderliche Eigenschaft der Leuchte. Das ist er nicht. Der Unified Glare Rating ist eine Prognose für eine Innenraumbeleuchtung unter definierten Bedingungen. Raummaße, Oberflächenreflexion, Beobachterposition, Blickrichtung und alle sichtbaren Leuchten beeinflussen das Ergebnis.

Für B2B-Einkäufer lautet die nützliche Frage deshalb nicht „Hat dieser Hallenstrahler UGR 19?“, sondern „Erfüllt die angebotene Lageranordnung das Blendungskriterium an den relevanten Beobachterpositionen?“ Dieser Leitfaden zeigt, welche Nachweise Lieferanten vorlegen sollten und wie Angebote auf derselben Basis verglichen werden.

1. Was UGR misst – und was nicht

UGR bewertet die erwartete psychologische Blendung durch elektrische Leuchten im Innenraum. Das Verfahren wurde in CIE 117:1995 festgelegt und berücksichtigt ausdrücklich Position und Blickrichtung des Beobachters. Ein niedrigerer berechneter Wert bedeutet unter den modellierten Bedingungen weniger erwartetes Unbehagen.

UGR zertifiziert weder direkt die Produktqualität noch beseitigt es Reflexblendung oder beweist gute Sicht für jede Aufgabe. Ein Katalogwert gilt auch nicht für jeden Raum. Die aktuelle ISO/CIE 8995-1:2025 behandelt Quantität und Qualität der Beleuchtung in Innenarbeitsstätten. Beleuchtungsstärke, Gleichmäßigkeit, Farbwiedergabe und Blendung müssen daher gemeinsam bewertet werden.

2. Warum ein Katalogwert „UGR <19“ irreführen kann

Ein Hersteller kann einen tabellarischen UGR-Wert für standardisierte Raumproportionen und Reflexionsgrade veröffentlichen. Diese Tabelle hilft bei der Vorauswahl, ist aber keine fertige Lagerberechnung. Reale Regalreihen, dunkle Decken, große Montagehöhen und abweichende Blickrichtungen können zu anderen Ergebnissen führen.

Stellen Sie vor der Annahme einer UGR-Angabe vier Fragen:

  • Welche genaue Leistung, Optik und Abdeckung wurden bewertet?
  • Handelt es sich um einen Tabellenwert oder eine Projektberechnung?
  • Welche Raummaße und Reflexionsgrade wurden angenommen?
  • Für welche Beobachterpositionen und Blickrichtungen wurde die Blendung geprüft?

Kann der Lieferant die Angabe nicht mit einer photometrischen Datei und definierten Bedingungen verknüpfen, sollte sie als Marketingkürzel und nicht als Projektnachweis gelten.

3. Blendungskriterium je Arbeitszone festlegen

Ein Lager umfasst selten nur eine Sehaufgabe. Fahrwege, Blocklager, Barcode-Kommissionierung, Packplätze und Prüfstationen stellen unterschiedliche Anforderungen. Der Lichtplaner sollte für jede Zone den Grenzwert aus der lokal geltenden Norm und dem Kundenbriefing festlegen. Übernehmen Sie keinen vermeintlich universellen UGR-Grenzwert aus einem anderen Gebäude.

Dokumentieren Sie, wohin Personen gewöhnlich blicken. Kommissionierer sehen horizontal auf Etiketten; Fahrer können Leuchten nahe ihrer Vorwärtsblickrichtung wahrnehmen; Wartungspersonal schaut nach oben. Prüfen Sie in Hochregalgängen beide Fahrtrichtungen und repräsentative Positionen an den Gangenden. In offenen Flächen müssen auch Blicke quer zu Leuchtenreihen berücksichtigt werden.

4. Allen Anbietern dieselben Berechnungsdaten geben

UGR-Angebote sind nur vergleichbar, wenn alle Lieferanten dasselbe Lager modellieren. Das gemeinsame Briefing sollte enthalten:

Erforderliche Eingabe Einfluss auf die Blendung
Raum- und Zonenmaße Bestimmen Anzahl und scheinbare Lage sichtbarer Leuchten
Montagehöhe und Abhängung Verändern Blickwinkel und scheinbare Quellengröße
Regale und Hindernisse Verändern Sichtlinien, Hintergrundhelligkeit und vertikales Nutzlicht
Reflexionsgrade von Decke, Wand, Boden und Regalen Beeinflussen die Hintergrundleuchtdichte
Beobachterpositionen und Blickrichtungen UGR hängt vom sichtbaren Feld ab
Wartungsfaktor und Zielbeleuchtungsstärke Verhindern niedrigere Blendung durch Unterbeleuchtung

Verwenden Sie dieselben Daten für konkurrierende UFO- und lineare Hallenstrahler. Unser Leitfaden zur Spezifikation von Lager-Hallenstrahlern beschreibt die zusätzlichen Raum-, Aufgaben- und Betriebsdaten.

5. Lichtstärke bei hohen Ausstrahlwinkeln begrenzen

Blendung wird stark von der Leuchtdichte der Leuchte und vom Licht in Richtung des Beobachters bestimmt. Eine geringere Leistung kann die Blendung senken, aber auch die Aufgabe unterbeleuchten. Ein besseres Design begrenzt zuerst die Verteilung mit geeigneter Optik, Abschirmtiefe, Diffusor oder Reflektor und optimiert danach Leistung und Abstände.

In offenen Lagerflächen kann eine gut kontrollierte mittlere oder breite Verteilung gleichmäßiges Nutzlicht liefern, ohne bei flachen Blickwinkeln eine harte helle Quelle zu zeigen. Hohe Regalgänge profitieren oft von einer linearen asymmetrischen Gangoptik. Lesen Sie den Vergleich von UFO- und linearen Hallenstrahlern, bevor ein Gehäusetyp für jede Zone verlangt wird.

6. Die genaue photometrische Datei prüfen

Fordern Sie eine IES- oder LDT-Datei für das angebotene Modell mit exakter Leistung, CCT, Optik und Abdeckung an. Die Kennung in der Datei muss zu Angebot und Musteretikett passen. Vergleichen Sie außerdem gemessenen Leuchtenlichtstrom und Eingangsleistung mit dem Datenblatt.

Die Berechnung sollte gewartete Beleuchtungsstärke, Minimum, Mittelwert, Gleichmäßigkeit, Leuchtenanzahl und UGR an den vereinbarten Positionen ausweisen. Fordern Sie neben dem PDF auch das bearbeitbare DIALux- oder Relux-Projekt an. Die Prüfliste für IES-/LDT-Dateien bietet Importeuren und Auftragnehmern eine praktische Reihenfolge.

7. Blendungslösungen ohne Leistungsverlust vergleichen

Alle Bieter müssen dieselben Ergebnisse ausweisen. So gewinnt kein Angebot nur mit einem niedrigen Blendwert, während weniger Lichtstrom, eine andere Arbeitsebene oder unrealistisch helle Oberflächen angesetzt werden.

Bewerten Sie jede Option nach:

  • Einhaltung an jeder festgelegten Beobachterposition;
  • gewarteter Beleuchtungsstärke und Gleichmäßigkeit je Zone;
  • vertikaler Beleuchtungsstärke an Kommissionierregalen;
  • installierter Leistung und Leuchtenzahl;
  • Übereinstimmung von Berechnung, Angebot und Muster;
  • Sehkomfort in einer repräsentativen Testinstallation.

Ist die Blendung zu hoch, ändern Sie Optik, Diffusor, Montagehöhe, Abstand, Leistung oder Ausrichtung jeweils kontrolliert. Nach jeder Änderung ist neu zu berechnen.

8. Musterzone vor der Serienfertigung freigeben

Eine Berechnung prognostiziert die Leistung; eine Musterzone prüft Wirkung und Funktion im realen Gebäude. Installieren Sie mehrere serienrepräsentative Leuchten im anspruchsvollsten Bereich. Prüfen Sie normale Geh-, Fahr-, Kommissionier- und Packpositionen bei leeren sowie bestückten Regalen.

Das Muster muss LED-Platine, Treiber, Optik und Abdeckung der Bestellung enthalten. Fotografieren Sie das freigegebene Etikett und dokumentieren Sie die Komponentencodes. Wird zur Blendungsbegrenzung ein Diffusor oder Reflektor ergänzt, müssen Leistung und Photometrie erneut geprüft werden.

Formulierung für die UGR-Anfrage

Verwenden Sie projektspezifischen Text statt einer bloßen Zeile „UGR <19“:

Der Lieferant berechnet die psychologische Blendung mit der exakten photometrischen Datei der angebotenen Leuchte sowie den vorgegebenen Raummaßen, Reflexionsgraden, Montagepositionen und Beleuchtungskriterien. UGR ist für die im Plan markierten Beobachterpositionen und Blickrichtungen auszuweisen. Einzureichen sind die bearbeitbare Berechnung, der PDF-Bericht, die passende IES-/LDT-Datei und ein serienrepräsentatives Muster. Jede Abweichung von den Vorgaben ist aufzulisten.

Der Projektplaner setzt den erforderlichen Grenzwert je Arbeitszone ein und bestätigt die lokal geltende Norm. Damit wird die Abnahme prüfbar und der Lieferant kann die Optik tatsächlich optimieren.

Abschließende Einkaufsprüfung

Kaufen Sie bei blendungsarmer Lagerbeleuchtung die berechnete Anlage, nicht eine Zahl neben einem Produktfoto. Frieren Sie Geometrie, Arbeitsziele und Beobachterpositionen ein, prüfen Sie die genaue Photometrie, vergleichen Sie Blendung gemeinsam mit Beleuchtungsstärke und Gleichmäßigkeit und genehmigen Sie eine Musterzone. So wird UGR von einer Werbeaussage zu einer messbaren Beschaffungsanforderung.

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