Zwei Anbieter versprechen jeweils 300 lx für ein Lager. Einer rechnet mit einem Wartungsfaktor von 1,0, der andere mit 0,80. Die Angebote sind nicht gleichwertig: Im ersten Fall wird der Neuzustand beschrieben, im zweiten ein Lichtverlust bis zum vereinbarten Wartungszeitpunkt berücksichtigt. Ohne offengelegte Annahmen wirkt eine kleine Leuchtenzahl günstig und kann später zu wenig Licht liefern.
Für eine B2B-Anfrage zu LED-Hallenstrahlern muss der Wartungsfaktor pro Lagerzone nachvollziehbar sein. Er gehört zur angebotenen Leuchte, zur tatsächlichen Umgebung und zu einem Reinigungs- und Austauschplan, den der Betreiber umsetzen kann.
Kurzantwort: Was bedeutet Wartungsfaktor?
Nach der CIE-Definition ist er das Verhältnis der Beleuchtungsstärke nach einer bestimmten Zeit zur Beleuchtungsstärke der neuen Anlage. Vereinfacht gilt: gewartete Beleuchtungsstärke ≈ anfängliche Beleuchtungsstärke × Wartungsfaktor (MF). Ein MF von 0,80 bedeutet nicht 80 % Leuchtenwirkungsgrad, sondern einen angesetzten Verlust von 20 % bis zum gewählten Zeitpunkt.
CIE 97:2005 verknüpft den Faktor mit Leuchte, Umgebung und Wartungsplan. ISO/CIE TS 22012:2019 beschreibt eine standardisierte Vorgehensweise. Keine dieser Quellen legt einen einzigen Standardwert für sämtliche Lager fest.
1. Zielwert und Zeitraum zuerst festlegen
Dokumentieren Sie Soll-Beleuchtungsstärke auf der Arbeitsebene, Berechnungsraster, jährliche Betriebsstunden, Betrachtungszeitraum und Wartungsintervalle. Ein rund um die Uhr genutztes Logistikzentrum darf nicht automatisch dieselben Annahmen wie ein gelegentlich genutztes sauberes Lager erhalten. Stellen Sie klar, dass sich der geforderte Wert auf die gewartete und nicht nur auf die anfängliche Beleuchtungsstärke bezieht.
Der Leitfaden zur Lagerbeleuchtung hilft bei Aufgaben und Zonen. Der Wartungsfaktor ersetzt keine Lichtplanung zu Gleichmäßigkeit, Blendung oder Regalschatten.
2. Bestandteile offenlegen statt nur „MF 0,8“ anzugeben
Ein verbreitetes Rechenmodell lautet MF = LLMF × LSF × LMF × RMF. Benennungen können je nach Quelle variieren; definieren Sie daher jeden Faktor ausdrücklich.
| Faktor | Bedeutung | Erforderlicher Nachweis |
|---|---|---|
| LLMF | Erwarteter Lichtstromrückgang bis zu den angesetzten Betriebsstunden | Produktdaten, Temperatur und Bestromung |
| LSF | Anteil weiter funktionierender Einheiten bzw. Austauschannahme | Ausfalldaten, Ersatzteil- und Reaktionsplan |
| LMF | Verschmutzung der Leuchtenoptik zwischen Reinigungen | Optik, Umgebung und Reinigungsintervall |
| RMF | Veränderung des Beitrags der Raumoberflächen | Reflexionsgrade, Verschmutzung und Flächenpflege |
Die technische Darstellung eines Leuchtenherstellers erläutert dieses Modell. Vermeiden Sie doppelte Abzüge, wenn eine Datenkurve einer vollständigen Leuchte einen Effekt bereits enthält. Ein LSF nahe 1,0 setzt zeitnahen Ersatz ausgefallener Einheiten voraus; eine lange Garantie allein erfüllt diese Annahme nicht.
3. Rechenbeispiel mit offengelegten Annahmen
Für einen vereinbarten Wartungszeitpunkt werden LLMF 0,92, LSF 1,00 bei zeitnahem Austausch, LMF 0,90 nach dem Reinigungsintervall und RMF 0,95 angenommen. Dies sind Beispielwerte, keine allgemeine Empfehlung:
MF = 0,92 × 1,00 × 0,90 × 0,95 = 0,7866.
Für eine geforderte gewartete mittlere Beleuchtungsstärke von 300 lx ergibt sich überschlägig ein Anfangswert von 300 ÷ 0,7866 ≈ 381 lx. Eine nur anfangs 300 lx liefernde Anlage läge unter diesen Annahmen zum Wartungszeitpunkt bei etwa 236 lx. Die eigentliche Planung benötigt weiterhin die Photometriedatei der angebotenen Leuchte, Montagehöhen, Hindernisse und das Raster. Prüfen Sie auch ein Szenario mit verspäteter Reinigung.
4. Lichtstromdaten und Reinigungsplan prüfen
„L70 bei 50.000 Stunden“ ist keine vollständige MF-Berechnung: Der Wert sagt weder den Lichtstrom am gewählten Wartungszeitpunkt noch den Einfluss von Staub und Raumflächen aus. Fordern Sie Nachweise für die vollständige angebotene Leuchte bei relevanter Umgebungstemperatur, Bestromung und Betriebsdauer. Der Leitfaden zu LM-79, LM-80 und TM-21 erklärt die Trennung zwischen Bauteil- und Leuchtendaten. Auch die US-Energieministeriums-Empfehlung zur LED-Lebensdauer warnt vor einer zu engen Betrachtung nur eines Lichtstromgrenzwerts.
Staub aus offenen Toren, Verpackung oder Produktion belastet Zonen unterschiedlich. Halten Sie für jede Zone Reinigungsverantwortung, sicheren Zugang, Freischaltverfahren, Mittel, Intervall und Ersatzprozess fest. Für Nassreinigung gelten zusätzliche Anforderungen an Materialien und Dichtheit; siehe Hallenstrahler für Waschbereiche. Messen Sie nach Inbetriebnahme ein dokumentiertes Beleuchtungsstärke-Raster und wiederholen Sie die Messung vor der vorgesehenen Reinigung unter denselben Einstellungen.
5. Angebote mit denselben Annahmen vergleichen
Verlangen Sie die bearbeitbare Lichtberechnung und ein PDF mit Leuchtenmodell, IES-/LDT-Version, Anordnung, Höhe, Reflexionsgraden, Arbeitsebene, Hindernissen, MF-Komponenten, Anfangs- und Wartungswerten sowie Anschlussleistung. Der Leitfaden zur Prüfung von Photometriedateien hilft, die Datei der tatsächlich angebotenen Variante zuzuordnen.
Ein Wechsel von MF 0,80 auf 0,90 zur Senkung der Leuchtenzahl braucht neue belastbare Daten und einen angepassten Reinigungsplan. Ein unnötig niedriger Faktor kann dagegen Überbeleuchtung und Mehrverbrauch verursachen. Vergleichen Sie Angebote beim gleichen gewarteten Zielwert und denselben vereinbarten Rahmenbedingungen.
Formulierung für die Ausschreibung
Der Lieferant soll [Zone] am Ende von [Betriebsstunden/Zeitraum] auf [gewartete Beleuchtungsstärke und Gleichmäßigkeit] auf [Arbeitsebene] auslegen. Eine zonenspezifische Berechnung des Wartungsfaktors mit Lichtstromrückgang, Überlebens-/Austauschannahme, Leuchtenverschmutzung und Raumoberflächen ist vorzulegen; Produktdaten und Reinigungsintervall sind zu nennen. IES-/LDT-Dateien, bearbeitbare Berechnung sowie Anfangs- und Wartungsergebnisse sind einzureichen. Änderungen an Leuchte, Optik, Temperatur, Bestromung, Reinigung oder Ersatzstrategie erfordern eine dokumentierte Neuberechnung. Der Wartungsplan muss Zugang, Reinigungsmethode, Ersatzteile und Zuständigkeit nennen.
Ergänzen Sie die übrigen Anforderungen mit der RFQ-Checkliste für Industriebeleuchtung. Ein guter Wartungsfaktor ist durch Daten und einen ausführbaren Betriebsplan belegbar.
Bei angebotener Alterungskompensation hilft der CLO-Leitfaden für Hallenstrahler bei Programmierung, Leistungsverlauf und verbleibenden Wartungsverlusten.


